Religion

“Die Welt des Göttlichen“

 

Fragwürdige Glaubensbereitschaft und schöpferische Wissensbeglückung

„Es war einmal“ – fast 2000 Jahre lang Märchenstunden über die Taten und Wunder eines  leibhaftigen Gottessohns Jesus Christus

Herabsetzung des Göttlichen durch überzogene religiöse Rituale

Bei Fragen nach den letzten Dingen gibt es nur diese Wahrheit: Die Frage nach dem Göttlichen bleibt offen

Orientierungsfalle „dogmatischer Atheismus“

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 Fragwürdige Glaubensbereitschaft und schöpferische Wissensbeglückung  

Ich erlebe mein Erdendasein immer noch mit der erstaunlichen Gabe, sich über Alles und Jedes wundern zu können – begleitet von  der Neugier, welche wohl tieferen Zusammenhänge es dazu noch geben mag.

Wundern muss ich mich darüber, warum es alles um mich herum überhaupt gibt – mein eigenes Existieren eingeschlossen. Nun hat der Mensch ja die Eigenart, hierüber so seine Betrachtungen zu entwickeln. Keinem Lebewesen sonst um ihn herum ist so etwas vergönnt. Und bei diesen Betrachtungen entwickelt er ein ganz eigenes, nur von ihm selbst getragenes Verständnis von allen mutmaßlichen Zusammenhängen. In seinem Kopf reimt er sich zusammen, welche Bedeutung dem wohl zukommt, auf was er da alles als etwas tatsächlich erfahrbar Vorgegebenes stößt. Dieses „Zusammenreimen“ geschieht in sozusagen unterschiedlichen Größenordnungen. Da wäre einmal der Bereich des sozusagen „Wissbaren“: Wenn er sich mit dem Hammer auf den Finger schlägt, tut es weh und es braucht einige Tage, bis der Schmerz nachlässt und der Schaden verheilt ist. Wenn die Frau den Samen eines Mannes empfängt, kann eine Schwangerschaft eintreten. Wenn sich bestimmte, genau definierbare Wetterfronten aufbauen, folgen Blitz und Donner. Soweit ist alles ziemlich klar und gehört zum sehr gesicherten Wissensbereich des Menschen. Eine ziemlich andere Größenordnung für das Fragen und Wundern liegt dann vor, wenn es um Dinge geht, die sich einem „Wissen-Können“ durch den Menschen mehr oder weniger sehr rigoros entziehen. Z.B.: Woher kommt überhaupt das alles, was es so gibt? Oder: Warum gibt es das in gerade dieser Gestaltung und welche Bedeutung hat es dabei? Oder auch: Wohin wird all das einmal gehen – das Jetzige und das Zukünftige? Also die bekannten „drei großen Fragen“ - nach dem „Woher?“, „Warum/Wozu?“, „Wohin?“. Hier gibt es keinen gesicherten Wissensbereich mehr, hier hat der Mensch allenfalls den Freiraum für – mehr oder weniger naheliegende - Vermutungen. (Selbstverständlich kann man sich mit derart unüberlegten Vermutungen auch in reine „Fantasiebereiche“ hinein begeben – weit weg von dem, was alles aus gesichertem Wissen heraus erklärbar ist: Blitz und Donner künden dann vom Zorn eines erzürnten Gottes z.B. Und statt jeder besseren und vernünftigen Einsicht gibt man sich bei dieser Haltung dann eben derartigen nur noch geglaubten Vermutungen hin.)        

Soweit ist also alles ziemlich klar. Kompliziert wird es aber eben in genau diesem Bereich: Wenn man das, was man wissen kann, nicht mehr als etwas Wissbares zu akzeptieren bereit ist sondern statt dessen auf Glaubensvorstellungen ausweicht. Dann steht man als ein mit Einsichtsvermögen begabtes Wesen, wie es der Mensch in seiner Einmaligkeit nun einmal ist, vor dem Dilemma, dass man zwar  von der Schöpfung her eindeutig mit dem Geschenk der „Wissensbeglückung“ ausgestattet  in dieses Dasein gelangt ist, dass man dieses Geschenk aber – bei einer geradezu fanatischen Glaubensbereitschaft - quasi zu missachten, zu verleugnen hat, einfach zielstrebig gegen jede bessere Erkenntnis gerichtet...

Da kann etwas nicht stimmen, denke ich. Ich vermag z.B durchaus zu glauben, dass es da irgendwo in unergründlichen Dimensionen so eine göttliche Schöpfungskraft gibt, die alles wahrnehmbar Daseiende hervorgebracht hat. Aber dass diese Schöpfungskraft jetzt die von ihr selbst geschaffenen Geschöpfe mit Begabungen solcher Art ausgestattet haben sollte, dass die so geschaffenen und verliehenen Begabungen quasi mit einem „göttlichen Nutzungsverbot“ belegt sind – das passt nicht in meine Glaubensbereitschaft.

Also zurück zu den Ausgangsüberlegungen. Wir sind ganz eindeutig und unbedingt beweisbar mit der Begabung ausgestattet, vieles recht exakt über die Zusammenhänge in unserem Dasein wissen zu können. Möglich, dass wir von einer göttlichen Schöpfungskraft her mit dieser Begabung ausgestattet und beglückt worden sind. Aber „in diesem Punkt“ können wir einfach nur  irgendwelche Vermutungen anstellen, exakt wissen können wir hier nichts.

Also finde ich mich in diesem Dasein einfach so vor, erlebe das Wechselspiel zwischen dem Daseienden und mir selbst. Z.B. wenn ich mir mit dem Hammer auf den Finger schlage, dann erzeugt das bei mir körperlichen Schmerz; ich erlebe hautnah das Wechselspiel zwischen mir und den weiteren äußeren Daseinsbedingungen und kann mir zu den Folgen des fehlplatzierten Hammerschlags ein ganz exaktes Wissen zu eigen  machen. Dann gibt es da weiterhin so Bereiche, über die ich exakt nichts wissen kann, die mich aber in der mir möglichen Vorstellungswelt dennoch beschäftigen. Im Grunde immer nur die Frage: Was ist hinter den Dingen?      

Was hinter den Dingen ist oder sein mag, ist immer eine reine Vermutungsangelegenheit, eine Glaubenssache. Niemals gibt es hier etwas exakt Wissbares. Was auch immer z.B. als Botschaft „aus anderen Welten“ verkündet wird hat niemals auch einen Beleg dafür, dass tatsächlich von anderen Welten her Signale zur Verkündigung übersandt wurden. Es handelt sich hierbei allenfalls immer nur um die höchst eigene Auffassung einzelner Menschen, in den Besitz von Verkündigungen aus jenseitigen Bereichen gelangt zu sein.   

Dazu habe ich jetzt die Meinung: Wenn bei so einem Menschen, der diese Eigenart hat, dass in seiner ganzen Gemütsverfassung durchaus so verschiedene Elemente wirksam sein mögen, die in so irgendeiner Übereinstimmung mit der gesamten Schöpfung mitschwingen können (wenn wir denn das Dasein als etwas Erchaffenes auffassen wollen) – dass dann so ein Mensch durchaus die Überzeugung haben kann von etwas Göttlichen her beseelt und berufen zu sein. Aber das heißt doch nicht, dass dann auch Alles und Jedes, was nur irgend als Botschaft oder Wirken aus dem  Jenseits verkündigt wird, so tatsächlich aus anderen Welten zu uns herüber gelangt oder gelangt ist. So etwas ist niemals wirklich beweiskräftig.

Ich halte jedenfalls ein derartiges Hintergrundgeschehen allenfalls im Grenzbereich zum Jenseitigen für möglich: Dass nämlich zu dem vom Menschen „Wissbaren“ etwas weiteres „Vermutbares“ hinzu erahnt werden kann. Denn der Mensch ist ja von einer Schöpfungskraft außerordentlich reichlich bereits mit einer „Wissensbeglückung“ beschenkt worden – wenn es denn überhaupt eine Schöpfungskraft gibt. Und so hat der Mensch nach meiner Auffassung hier immerhin auch einen Spielraum (wenn auch sehr eng begrenzt) für Glaubenszusammenhänge zu solchen Fragen, die den Menschen über alles ohnehin Wissbare hinaus als wirklich unergründbare Rätsel zutiefst (und begründet) beschäftigen können.

Das ist nun meine höchst eigene Auffassung in Sachen Glaubensbereitschaft. Und dann sortiere ich für mich aus, was ich da alles so an Glaubensdingen mitbekomme und was ich davon nicht zu übernehmen vermag, weil es im Kern reine Märchenwelten oder Fantasiewelten sind, die so – in ihrer verfestigten Form – nicht vereinbar sind mit der tatsächlich vorgegebenen Daseinsbeschaffenheit unserer wahrnehmbar erfassbaren Wirklichkeit.        

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„Es war einmal“ – fast 2000 Jahre lang Märchenstunden über die Taten und Wunder eines  leibhaftigen Gottessohns Jesus Christus

 In „Das Jesus-Puzzle“/Basiert das Christentum auf einer Legende? (Angelika Lenz Verlag 2003) zeigt Earl Doherty in einer umfangreichen Materialsammlung mit wissenschaftlicher Akribie von höchster Gründlichkeit auf, dass es den Jesus Christus, wie er uns seit fast 2000 Jahren gepredigt wurde und wird, als eine tatsächlich existent gewesene historische Figur nie gegeben hat: Das Warten auf einen Messias, Jesus als der erwartete Heiland, das Wunderwirken des einzigen Gottes Jahwe in dieser Angelegenheit, religiöse Vorstellungen zu einem Opfertod, zu einem „Versterben durch einem Hängen an einem Baum“ usw. usf. – das alles waren festverankerte Bestandteile des jüdischen Schrifttums lange vor Beginn unserer Zeitrechnung. (In „groben Umrissen“ war mir hierzu Vieles bereits bekannt aus Geschichte der Leben-Jesu-Forschung von Albert Schweitzer.) Mit dem Markus-Evangelium 70 n.Z. wurde erstmals das Märchen von einem tatsächlich existent gewesenen Jesus von Nazareth in die Welt gesetzt – in dieser Märchen-Erdichtung (obwohl: Märchen agieren ja eigentlich immer unabhängig von Zeit und Raum): Es begab sich zu der Zeit von Kaiser Augustus und von Pontius Pilatus, es begab sich in den dramatischen Höhepunkten in Jerusalem und es begab sich dazu in den Tagen des jüdischen Osterfestes. (Genaueres zu den eklatant unterschiedlichen Lebensdaten, die uns mit dem Lukas-Evangelium einerseits und den übrigen Autoren der  biblischen Berichte über Jesus Christus andererseits dargeboten werden, ist bei Wikipedia unter „Zeitrechnung“ und „v.u.Z.“ nachlesbar.)

 Doherty durchforstet jetzt das gesamte Schriftmaterial aus der Zeit vor der Entstehung des Markus-Evangeliums, hierbei insbesondere auch die „Paulus-Briefe“. Und siehe da: Keine Spur, nicht die geringste Spur von einer leibhaftigen historischen Jesus-Gestalt. Dafür eine ungeheure Flut von sehr konkretem religiösen Transzendenz-Denken zur damaligen Zeit: Der Hellenismus hatte damals eine große prägende Bedeutung, darin wiederum auch die ägyptischen religiösen Vorstellungen von Tod und Wiederauferstehung. Von erdrückender Einprägsamkeit auch die transzendenten sieben himmlischen Sphären; der siebte Himmel der Ort aller höchsten Vollkommenheit überhaupt, die unterste himmlische Sphäre als der Bereich, wo Göttliches noch mit der Menschenwelt Berührung haben konnte – aber auch dies noch „nur im Geistigen“, nie durch eine ernsthaft erwogene wirklich körperliche Zusammenkunft! (Hier erleben wir mit „Jesus-Puzzle“ wieder einmal Einblick in die damalige kulturelle Zeitgeschichte: Die Ideen-Welt Platons, die fest verwurzelten Glaubensüberzeugungen der Juden, persisches und auch ägyptisches Glaubensgut…).

 Mit dem Markus-Evangelium wird nach all diesen kulturellen und religiösen Geschehnissen erstmals von dem körperlich agierenden Jesus von Nazareth berichtet: Was dieser Jesus tat, wo er lebte, wie er wirkte – all dies in märchenhafter Zusammenfügung und Ausschmückung von althergebrachten Botschaften über den verheißenen und erwarteten Heiland. Doherty weist nach, dass alles das, was Paulus Jahre zuvor über – den transzendenten – Jesus verbreitete, nichts mit dem seit Markus überlieferten Erdenwandel des Jesus von Nazareth zu tun hat.

 Der Jesus Christus, wie er uns von den christlichen Kirchen verkündet wird, ist eine „Märchen-Figur“.

 Bereits vor Das Jesus-Puzzle war mir das anmaßende Gehabe der christlichen Kirchen suspekt; die Heilige Schrift als Maß aller Dinge – seit Albert Schweitzers Geschichte der Leben-Jesu-Forschung hatte ich endlich die kritische Distanz zu den Dogmen und Orthodoxien der Kirchen gewonnen und mit Genugtuung gelesen: Die „kirchenkritischen Bücher“ von Karlheinz Deschner z.B. oder auch Sünden der Kirche von Hans-Jürgen Wolf usw. Alles in dem Verständnis einer gerechtfertigten Auseinandersetzung mit dem Leben und Wirken eines tatsächlich körperlich existent gewesenen Menschen – wie er uns mit Überlieferungen zu Jesus von Nazareth zugänglich gewesen zu sein schien.

Jetzt weiß ich, dass es zu unserer Kulturgeschichte gehört, dass unsere „dogmatischen“ konfessionellen Glaubensüberzeugungen – lapidar ausgedrückt - doch nur Glaubensinhalte einer Märchenwelt sind – „fundamental“ in dem Neuen Testament zusammengestellt.

Selbstverständlich umfasst die „Jesus-Thematik“ einen derart umfangreichen Wissensbereich, dass die lapidare Feststellung „Märchenstunde“ nur die Spitze aller möglichen Einwendungen gegen das Glaubensgut der Kirchen sein kann. Aber nach allem, was ich bisher über die Entstehung des Christentums in Erfahrung bringen konnte, werte ich die Veröffentlichung Das Jesus-Puzzle doch als die zuverlässigste und zugleich auch schlüssigste Fundstelle für einen vernünftigen Durchblick.  

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Eine Herabsetzung des Göttlichen durch überzogene religiöse Rituale

        wird noch veröffentlicht

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Bei Fragen nach den letzten Dingen gibt es nur diese Wahrheit: Die Frage nach dem Göttlichen bleibt offen

Bekanntlich ist die Erde der Mittelpunkt des Universums und die Sonne dreht sich um unsere Erde - so jedenfalls, wenn man sich in die Vorstellungswelt der Kirche vor einigen hundert Jahren hineinversetzt. Und versetzt man sich in die Vorstellungswelt der Kirche aus jener Zeit, dann endet ganz folgerichtig der auf dem Scheiterhaufen, der etwa unsere Erde um die Sonne kreisen lassen will.

Wann ist eine Religionsgemeinschaft dagegen gefeit, sich in letztlich unhaltbare Vorstellungen über das Göttliche hineinzusteigern? Da darf man lange warten, sage ich mir, in absehbarer Zeit wird sich da wenig tun, nur dass eben immer weniger Leute mit solchen Institutionen noch etwas zu tun haben wollen.

Dass wir ganz einfach durch göttliche Offenbarungen in den Besitz göttlicher Wahrheiten gelangen können - diese Illusion musste ich aufgeben (unter anderem) nach der Lektüre von Albert Schweitzers „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“. Denn daraus ist ablesbar: Es werden durch das Neue Testament keine Fundstellen über göttliches Geschehen vermittelt, die unangreifbar die wirkliche und wahre Sachlage der damaligen Geschehensabläufe wiedergeben. Nein, was im Neuen Testament wiedergegeben wird, ist nachweislich widersprüchlich und also nicht durchgehend „göttliche Wahrheit“. Es sind in den Evangelien Erinnerungen aufgezeichnet, wie es wohl „damals zur Zeit eines Pontius Pilatus und seiner Begegnung mit einem aufrührerischen Wanderprediger“ gewesen sein mag - nach schriftlichen und mündlichen Überlieferungen („Sprüchesammlungen“). Das ist alles. Wenn also heute noch in Predigten, Verkündigungen, Texten folgende Formulierungen verwendet werden: „Es begab sich damals dieses oder jenes“, „Jesus hat gesagt und folgendes bewirkt“ oder ähnliches mehr, so sind diese Formulierungen selbstverständlich unrichtig. Denn richtig wäre es, zu sagen: „Dieses oder jenes soll sich nach der Überlieferung damals zugetragen haben“, „Jesus soll nach der Überlieferung damals folgendes gesagt und bewirkt haben“.

 Wir sind mit den Bibeltexten nicht im Besitz von Wahrheiten, die uns unmittelbar von Gott übermittelt wurden. Jedes weitere „Wenn und Aber“ zu dieser Problematik füllt Bände (ein sehr elementarer Einstieg hierzu Lessing. - seine bewundernswerte Auseinandersetzung mit Hauptpastor Goeze). Was sich damals - um den Beginn unserer Zeitrechnung - historisch wirklich abgespielt hat, das können wir heute nur bruchstückhaft in Erfahrung bringen. Entlarvend dabei das Ignorieren historisch aufspürbarer Tatsachen durch die katholische Kirche – nachlesbar in „Verschlusssache Jesus“: Während im übrigen „archäologischen Bereich“ begleitet von Eifersüchteleien historische Funde wohl immer mal der Allgemeinheit für kurze Zeitabschnitte nicht zugänglich gemacht wurden – in diesem Fall wurden und werden historisch bedeutsame Funde mit unbegreiflicher Entschiedenheit konstant und nachhaltig vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten. Im Interesse der Aufarbeitung alles wissenschaftlich Erfahrbaren ist sowas unentschuldbar. Interessant sind in einem größeren Zusammenhang hierzu auch die Verschleierungen und Verfälschungen, die durch die etablierten Kirchen in Sachen „historische Aufarbeitung der Wurzeln der Gnosis“ betrieben werden...      

Im Grunde müsste das Folgende nicht wieder in Erinnerung gerufen werden: „Wer die Erde nicht als den Mittelpunkt des Universums sieht, landet auf dem Scheiterhaufen“. „Weise Frauen sind fast ausnahmlos Hexen und Hexen sind vom Teufel besessen und gehören verbrannt“ - (natürlich auch alle törichten Frauen, denen etwas angehängt werden kann). „Die Evangelien und Konfessionen werden mit dem Schwert über Länder und Kontinente verbreitet und wer da im Wege steht, den kostet es das Leben“. „Juden sind Gottesmörder und werden im Zweifel zu Recht erschlagen“.  Dies alles sehr rigoros mit zigtausendfachem Töten und Morden. Und das sind natürlich nicht die einzigen Fehlleistungen der Kirche, hierzu umfangreiche Fundstellen u.a. in den Arbeiten von Karlheinz Deschner.

Das Phänomenale an diesem Themenkreis ist aber dies. In der Menschheitsgeschichte hat es anscheinend auf jeder „Gegenwartsstufe“ immer auch einmal die Haltung der Glaubensgemeinschaften gegeben: Alle Fehlleistungen der Vergangenheit sind gottseidank ausgeräumt, wir finden auch Worte der Entschuldigung für die damaligen Fehlleistungen, wollen nichts beschönigen und sind zu einer kritischen Haltung bereit. Jetzt aber bewahren wir das Glaubensgut so, dass daran nicht mehr zu zweifeln ist; es ist jetzt der wahre Hort und einzig mögliche Weg, um zu Gott zu finden; wer davon abweicht, riskiert sein Seelenheil oder befindet sich in Verderbnis.

Ich meine aber: Warum sollte sich eine Glaubensgemeinschaft immer „gerade jetzt“, gerade „auf der gegenwärtigen Gegenwartsstufe“ im Vollbesitz von göttlichen Wahrheiten befinden? Und das ist keine beiläufige Skepsis, denn von dem, was die göttliche Wahrheit ist, hängt schließlich der Seelenfrieden und das Lebensglück im Diesseits und im Jenseits ab. Da ist es doch riskant, zu vermuten, einer Glaubensgemeinschaft sei es  endlich gelungen, hier und heute nach soviel Irrungen und Wirrungen in Glaubensdingen in den Besitz der göttlichen Wahrheit zu kommen. Ich wage nicht nur zu zweifeln, ich muss zweifeln (noch einmal verstärkt: ich muss standhaft zweifeln – wenn der Einsatz der Vernunft für mich nur überhaupt eine größere Bedeutung haben soll!). Wenn ich miterlebe, mit welcher Bereitwilligkeit z.B. in religiösen Kreisen die Auswüchse durch Orthodoxie, Fundamentalismus, Fanatismus ganz allgemein ein letztes Verständnis finden: Es geht ja immer noch um die Ehre Gottes! - wenn vielleicht auch in Verblendung, aber es herrscht doch dort nicht die völlig verwerfliche Gottlosigkeit!

Ich denke demgegenüber, es gibt nur diesen einzig vernünftigen, ernsthaft vertretbaren Ansatzpunkt für eine verantwortungsbewusste Haltung: Zu verstehen suchen, wie der Mensch in dieses Dasein hinein versetzt sein kann und welchen Anforderungen er dabei gerecht  werden muss.  Jede   angeblich   göttliche   Offenbarung   und  jedes  anscheinend göttliche Gebot, die mit den tatsächlichen Anforderungen an den Menschen von seiner Daseinseinbindung her nicht in Übereinstimmung zu bringen sind, müssen als menschengemachter Irrweg gewertet werden.

Also für mich gilt: Göttliches total abgehoben von den tatsächlichen Daseinsgegebenheiten - das ist nie Wahrheit, das ist nur Fiktion, die mit den tatsächlichen Daseinsgegebenheiten nichts zu tun hat. Es ist eine imaginäre Gottheit, eine nur eingebildete Gottheit, die nur im Fantasiebereich einzelner Menschen präsent ist. Göttliches muss immer übereinstimmen mit der Welt, wie sie durch Göttliches erschaffen ist, wenn denn eine Gottheit Urheber für alles Erschaffene sein soll.

Göttliches hinter den Dingen - das mag es geben, so, wie wir es ansatzweise zu erkennen, zu begreifen vermögen sage ich mir. Das Rätsel ist nicht gelöst, scheint unlösbar, ist nicht zu entschlüsseln von der Kenntnis her, die wir über die letzten Bausteine unseres Kosmos haben. Aber hier sind die Ansatzpunkte, Göttliches für möglich zu halten: Alles Wahrnehmbare könnte einen Ursprung in einem (wie ich es nennen will) Außerendlichen haben. Alles, was es im wahrnehmbar Daseienden gibt, würde dann „der Möglichkeit nach“ im Außerendlichen enthalten gewesen sein (es kommt durch eine „Erschaffung“ mit dem Erschaffenen allenfalls  weniger  zustande als das vom Außerendlichen her Mögliche, nie aber mehr!). D.h. das Göttliche, wenn es es denn irgendwo gibt, hat einen viel größeren Reichtum an Schöpfungsmöglichkeiten als das bisschen Schöpfung, in dem wir zuhause sind. Nur - und davon wird gleich die Rede sein - Göttliches vollbringt niemals „Wunder“ gegen seine eigene Schöpfungsmöglichkeit selbst, es verwirklicht durch Schöpfung das göttlich Mögliche “ausschnittsweise“ in einer wunderbaren Fülle, aber das so Erschaffene bewegt sich dann in den Gesetzmäßigkeiten, die ihm bei der Schöpfung mitgegeben wurden.)          

„Physikalische Grundlagen“ zeigen den Rahmen auf, in dem „Göttliches“ wirksam  werden kann. D.h. setzt man Göttliches voraus, dann kann es im Diesseits nichts tatsächlich Vorhandenes geben, was nicht durch das Göttliche selbst ermöglicht ist; es kann dem Göttlichen aber auch nicht zugeschrieben werden, was von den tatsächlichen Daseinsbedingungen her überhaupt nicht verwirklichbar ist. (Mein Denkansatz hierzu: In der Natur geschieht alles nach den Gesetzmäßigkeiten der Natur. Wenn Göttliches etwa in unserer Welt etwas erschafft, etwas bewirkt, dann benutzt das Göttliche dabei immer „seine Werkzeugkiste Natur“. Göttliches – wenn überhaupt – wirkt in unserem Diesseits immer nur aus dem „Wirkstoff Natur“ heraus. Dem „Wirkstoff Natur“ muss man im Zweifel umfangreichste Befähigungen zutrauen.  – Für ein unmittelbares Einwirken des Göttlichen völlig unabhängig von den Befähigungen der Natur gibt es keinen vernünftigen Denkansatz. Und das vernünftige Denken hat das Göttliche doch wohl auch zustande gebracht - oder?). Es gibt hiernach also keine beliebigen Wunder, kein beliebiges Eingreifen des Göttlichen in das Geschehen um uns herum. Wie wir auch immer Gott anrufen, wie wir meinen, im Sinne Gottes zu wirken, wie wir glauben, dass hier soviele Wundertaten Gottes geschehen seien - all das hat oft nur den Gehalt einer Karikatur von göttlichem Geschehen. Und warum sollte Göttliches nicht auch solche derartig unfreiwilligen Karikaturen zulassen, die nur Zerrbilder des Göttlichen sind?

Denn wie soll man das werten, wie die doch oft sehr merkwürdigen Rituale der verschiedenen Glaubensgemeinschaften vor sich gehen? Bei denen man sich fragen muss, was das noch mit einer tiefen Zuwendung zum Göttlichen zu tun haben soll. Nehmen wir nur diese Endlosgebete, in denen Gott um die Erfüllung von unzähligen komplizierten Nichtigkeiten gebeten wird. Nicht zu reden von „Heldengebeten“. Als ob sich eine göttliche Kraft hinter den Dingen ernsthaft um lauter solche Nebensächlichkeiten oder Absurditäten wie „schlage unserem Feind aufs Haupt“ in den gleichzeitigen Gebeten mehrerer sich befehdender Heere kümmerte.

Und so sage ich mir: Ich verhalte mich aus all diesen Gründen im Kulturkreis des christlichen Abendlandes mit seinen besonderen Glaubensmerkmalen ganz einfach auf die folgende Weise. Göttliches mag möglich sein, für mich aber niemals nach der Vorgabe des Christlichen „der Mensch ist von Geburt an behaftet mit einer Erbsünde, von der er nur durch göttliche Gnade erlöst werden kann“. Nein. niemals das eigene Leben mit einem Schuldbewusstsein bei allem natürlichen Tun. - Wie sehr ein Leben nur noch „in Furcht und Zittern“ verläuft, das weiß man, wenn man die Maßstäbe von höchster Vollkommenheit anlegt, wie sie von Kierkegaard herausgearbeitet wurden. Und klar sollte auch sein, wie man von daher zu einigermaßen erträglicher Lebensfreude zurückfinden kann durch Luthers „erlöst werden allein durch den Glauben“. Aber auch da bleibt dann doch immer noch die Last einer immerwährenden Schuld durch die Erbsünde. Der Erbsünde, durch die der Mensch immerfort zu anscheinend unmoralischem, verwerflichem Denken und Handeln getrieben wird... Nein,  dafür hat das Göttliche den Menschen nicht erschaffen, dass er sich nicht mit all seinen Begabungen, Fähigkeiten, Triebsteuerungen am Dasein erfreuen sollte. Nein, alles, was daseinserhaltend, beglückend ist, sollte bejaht werden - als Teil der göttlichen Schöpfung. Denn das Göttliche wollte ja offenkundig, dass sich das von ihm geschaffene Dasein in all seiner Schönheit und Fülle entfaltet - wie es vom Göttlichen her angelegt ist.

Es mag eine Gottheit hinter den wahrnehmbaren Dingen geben. Für mich ist das ein tröstlicher, faszinierender, aufbauender Gedanke. Aber diese Gottheit ist eben das tiefste große Göttliche, was es geben mag - ganz gleich, welchen Inhalt es hat, wie es „zusammengesetzt“ ist. Und ich habe immerhin diese Verständnisbereitschaft, es sollte allem konkret wahrnehmbaren Religiösen - bei aller gebotenen Skepsis - Respekt oder sogar auch Ehrfurcht zukommen, wenn dieses Religiöse nur offen ist für das tiefste Göttliche hinter den Dingen: Dabei ist es mir gleichgültig, ob es nun Naturreligionen sind, matriarchalische Religionen oder auch Vielgötterei. Wichtig ist nur: Hintergrund bei allem Religiösen ist das unbekannte, übergroße Göttliche. „Bei aller gebotenen Skepsis“ - das bezieht sich selbstverständlich wieder darauf (und darauf reite ich immer wieder herum), dass jede Form des Religiösen immer in schier unerträgliche Auswüchse abzugleiten droht, wenn im Ergebnis der Mensch in ein Joch von Hörigkeit gegenüber der Priesterkaste und einer „unbeirrbaren Orthodoxie“ gezwungen wird. An diesem Punkt sollte Schluss sein mit Respekt und Ehrfurcht vor dem Religiösen. Das gilt für alle Religionsformen, die einen Ausschließlichkeitsanspruch erheben, die jede abweichende Gesinnung bekämpfen, die den Menschen mit ihren Ritualen knebeln und jede anderweitige Religionsform am liebsten ausmerzen möchten.

All diese Gedanken sind nur meine ganz subjektive Einstellung. Ich weiß, dass klar sein muss, dass etwa zum „Menschsein“ unbedingt Religiosität gehört. (Die eigentlichen Wurzeln für das Phänomen „Religiosität“ sollten noch entschiedener erforscht werden als es bis jetzt bewerkstelligt zu sein scheint. Für mich sind dieses die eigentlichen Wurzeln: Die Befähigung nach unbekannten Zusammenhängen fragen zu können. Und das von Natur aus angeborene Angstgefühl bei allem, was nur immer als bedrohlich wahrgenommen oder auch nur empfunden werden kann.) Nach meiner  Auffassung lebt damit aber auch der verantwortungsbewusste, wahrhaft humanorientierte Atheist vernünftiger und überzeugender als ein nur angepasster Religiöser, ganz zu schweigen von religiösen Fundamentalisten und Fanatikern. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass es jeder mit dem Göttlichen halten mag, wie es ihm beliebt. Also halte ich auch nichts von der (oft zu beobachtenden) Überheblichkeit, durch Religiosität ein „besseres Menschsein“ zu verwirklichen. „Religiosität“ ist keine Garantie für simpelste Anspruche an Aufrichtigkeit, Menschlichkeit, ist oft genug eher Tarnung, also der hervorragend handhabbare „Schafspelz“... „Gottlosigkeit“ ist kein Indiz für Inhumanität. Im Gegenteil: Nirgendwo ist die Herausforderung größer, in voller eigener Verantwortung Humanität verwirklichen zu wollen, als in einem ständigen Suchen ohne ein „sich berufen auf Gott will es so“.    

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Orientierungsfalle „dogmatischer Atheismus“

 Die Anmaßungen und Verblendungen der verschiedenen etablierten Glaubensrichtungen werden in zahllosen Buchveröffentlichungen bloßgestellt. So auch in DER GOTTESWAHN von Richard Dawkins (Ullstein 2007). Eine Besonderheit bei Dawkins: Der von ihm vertretene Atheismus wird in einer Art Dogmatik wie die einzig mit Vernunft vertretbare Weltanschauung dargeboten.

 Nun gibt es ohnehin verschiedene Weltanschauungen, in denen der Gott der Christenheit mit seiner „heiligen Dreifaltigkeit“ nicht vorkommt. Dawkins zählt hierzu einiges auf – und lässt kein gutes Haar daran.        

 Der Agnostizismus kommt bei Dawkins nicht gut weg; nämlich - bemängelt werden sowohl das zeitbedingte Abwarten als auch das permanente Abwarten, ob es jemals eine eindeutige Antwort bei der für offen gehaltenen Gottesfrage geben wird.

 Die Glaubenshaltung des Theisten wird abgelehnt, weil es dabei um den Glauben an eine übernatürliche Intelligenz eines Weltschöpfers geht, der seine Schöpfung fortwährend beaufsichtigt und beeinflusst.

 Die Glaubenshaltung der Deisten wird abgelehnt, weil es auch hier um einen Weltschöpfer geht – der allerdings nach vollzogener Weltschöpfung die Hände in den Schoß legt und einfach die Dinge ihren Lauf nehmen lässt ohne jemals wieder einzugreifen.

 Die Glaubenshaltung der Pantheisten wird abgelehnt; „Gott“ ist lt. Dawkins  hier das Synonym für die Natur, für das Universum oder für die Gesetzmäßigkeiten, nach denen es funktioniert.

 Dawkins versucht also unbedingt Schwachstellen bei allen religiös eingefärbten Glaubenshaltungen auszumachen, soweit es hier nur irgend um die Gottesfrage geht. In der Gottesfrage tritt Dawkins in aller Entschiedenheit dafür ein, dass es hier als vernünftige Antwort nur einen bedingungslosen Atheismus geben darf.

Ich möchte mich aus einer Zuordnung zu einer der oben aufgezählten „gottfernen“ Weltanschauungen heraushalten, weil das von Dawkins dargelegte Für-und-Wider kaum zu entwirren ist; Dawkins arbeitet als Resultat zu allem einfach nur die Doktrin heraus: Ohne jedes Wenn und Aber kann es nur einen konsequenten Atheismus als einzig vernünftig vertretbare Weltanschauung geben.  

 Ich möchte mich mit all diesen Fragen im Grundsätzlichen einfach nur als „kritisch philosophischer Kosmologe“ auseinandersetzen.

 Man kann sich bei dem obigen Fragenkreis zu einer möglichen „Gottes-Existenz oder Gottes-Nicht-Existenz“ mit vernünftigen Gründen nicht auf naturwissenschaftliche Begründungen zurückziehen. Naturwissenschaftlich muss hier vieles offen bleiben. Denn Naturwissenschaft ist von vornherein darauf festgelegt, nur das tatsächlich Erfahrbare zum Forschungsgegenstand zu haben. Alles, was über das tatsächlich Erforschbare hinaus in irgendeiner Form etwas Existierendes sein mag, kann nicht ernsthaft Gegenstand der Naturwissenschaft sein. Der Positivismus z.B. hat diese „Klassifizierung“ auf die Spitze getrieben – mit der (wie ich meine) völlig überzogenen Anschauungsweise, es habe niemals einen Sinn auch in solchen Bereichen noch etwas ergründen zu wollen, die über das so fest umrissene Forschungsgebiet der Naturwissenschaft hinausgehen. - So etwas ist natürlich Unfug, denn wenn z.B. die Naturwissenschaft selbst auf Fragen stößt, die mit der Methodik der Naturwissenschaft nicht beantwortet werden können, dann wird derartiges den mit Bewusstsein und Reflexionsvermögen ausgestatteten Menschen doch dennoch unbedingt auch gedanklich beschäftigen, wird ihn nach vertretbaren Antworten suchen lassen: Er nimmt sich der Fragen an, deren Beantwortung sich dem „Zugriff“ der Naturwissenschaft entzieht. Das ist philosophisch immer noch konstant der Bereich der Metaphysik – allerdings in der modernen Form einer Grenz-Metaphysik: Nur die Phänomene dürfen ernsthaft in Angriff genommen werden, die sich von den Daseinsbedingungen der Wirklichkeit her als „ungeklärte  Rätsel“ erweisen. Und es dürfen hierzu dann auch nur solche Antworten gegeben werden, die nicht im Widerspruch zu den gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaft stehen. Ich meine, Karl Popper hat eine moderne Metaphysik in diesem Sinn als einen durchaus legitimen Bereich der Philosophie  herausgestellt (hierzu u.a. „Kritischer Rationalismus“ als Anknüpfungspunkt). Und Richard Dawkins verwendet in Ablehnung jeder blinden Glaubensbereitschaft mit großem Vergnügen beispielhaft „die in einer fernen Planeten-Umlaufbahn kreisende unsichtbare Teekanne“; es ist der Rückgriff auf die „total unsichtbare Teekanne im Universum“ von Bertrand Russel als Beispiel für die Absurdität von Behauptungen, die gegen jedes gesicherte Erfahrungswissen in die Welt gesetzt werden. („GOTTESWAHN“ 2. Auflage 2007 S. 74, Dawkins „zitiert auf vergnügliche Weise Bertrand Russels Parabel von der himmlischen Teekanne…“)

 Im Bereich der Physik wird wissenschaftlich ernsthaft auch an der Klärung von Problemen gearbeitet, die den Grenzbereich der Kosmologie berühren: Wenn nach einer Formel gesucht wird, mit der sich alle Zusammenhänge im Mikrokosmos und Makrokosmos wissenschaftlich erklären lassen – welche Lösungsmöglichkeiten bieten sich dafür in theoretischen Entwürfen an? (Hierzu gibt es zahlreiche Fundstellen, hier nur beispielhaft Oskar Höfling, Pedro Waloschek Die Welt der kleinsten Teilchen – „Höfling – ein Begriff wie Duden, Diercke oder Schmeil. Generationen von Schülern haben mit ‚dem Höfling‘ Physik gelernt…“)

 Bei einer „philosophischen Kosmologie“ haben wir es mit einer anderen Fragestellung zu tun: Wenn sich zu allen Daseins-Phänomenen eine wissenschaftlich gesicherte völlige „Entschlüsselung“ als etwas Unmögliches erweist – dürfen wir uns dann zu den letzten Fragen dennoch mit aller Vernunft solche Vermutungen oder Glaubensinhalte zu eigen machen, für die es unmöglich eine allgemeingültig abschließende Beantwortung geben kann?

 Ideen, deren Wahrheitsgehalt sich niemals beweisen lässt, können ernsthaft nie etwas Anderes sein als das Spielmaterial für unsere Phantasie. Jeder mag sich derartigen Ideen ganz nach Belieben hingeben, wenn er sich damit tatsächlich gedanklich exakt in die Grenzbereiche begibt, für die eine abschließende Antwort unmöglich ist. (Ich zitiere hierzu einige Erläuterungen zum „Kritischen Rationalismus“ sinngemäß: „Popper war außerdem der Auffassung, dass auch rein metaphysische Sätze Sinn haben… Der Kritische Rationalismus harmonisiert wegen seiner realistischen Grundeinstellung mit metaphysischen Elementen und hält sie für zulässig und wünschenswert, solange die Theorie als ganzes falsifizierbar bleibt…“.)

 Soweit die Grundzüge für allgemein vertretbare Vorgehensweisen bei der Beschäftigung mit „letzten Fragen“ in Naturwissenschaft und moderner Metaphysik. Aber was haben derartige Grundzüge mit der Orientierungsfalle „dogmatischer Atheismus“ zu tun? – Richard Dawkins zeigt auf: Das Religiöse darf in all seinen bekannten Auswüchsen von Unvernunft und Unmenschlichkeiten als eine Plage der Menschheit gewertet werden. Und mit der Fülle der Literatur zu den oft grauenhaften Auswirkungen religiöser Verblendung haben wir erdrückendes Material für diese Einschätzung. Hier nur einige weitere Fundstellen: Christopher Hitchens DER HERR IST KEIN HIRTE/Wie Religion die Welt vergiftet. Karlheinz Deschner Abermals krähte der Hahn/Eine kritische Kirchengeschichte. Hans-Jürgen Wolf Sünden der Kirche/Das Geschäft mit dem Glauben. Hans Dollinger SCHWARZBUCH DER WELTGESCHICHTE    usf.

 Es ist also sehr verdienstvoll, wenn Dawkins in dieser Richtung offenkundig einiges bewirkt. Jedoch der Kardinalfehler dabei: Er bekämpft die Auswüchse religiöser Dogmen mit einer ganz eigenen Atheismus-Doktrin. D.h. Dawkins verfestigt „unbeirrbar“ sein eigenes Atheismus-Dogma und gerät dabei selbst in eine „Dogmen-Falle“. Ein Dogma ist immer mit der Gefahr einer Selbstimmusierung gegen jede Kritik verbunden, kurz: mit der Installation von Dogmen beliebiger Art gerät jeder Ansatz von Vernunft ins Hintertreffen und der Verstand muss sich der jeweiligen dogmatischen Glaubenslehre – ob religiös oder nach jeder beliebigen Weltanschauung sonst begründet - bedingungslos unterwerfen (sehr ausführlich hierzu „Überwindung des Dogmatismus: Das Prinzip der kritischen Prüfung“ in Traktat über kritische Vernunft von Hans Albert, Mohr Siebeck UTB 1991).

Die Frage, welche letzten Kräfte hinter den Dingen unserer Welt wirksam sein mögen, kann unmöglich zuverlässig beantwortet werden. Die Naturwissenschaft kämpft sich hier immer weiter vor – des Rätsels Lösung liegt hier jedoch nach wie vor in endloser Ferne. Eine moderne „Grenz-Metaphysik“ kann hierzu lediglich alles zusammentragen, was nach unserem Wissensstand, Erkenntnisstand vertretbar als mögliche Antwort gegeben werden kann. 

Nach allem mag jeder glauben, was er selbst für vertretbar hält. Jede Weltanschauung wird jedem nur möglichen Einwand standhalten. Die Bedingung dabei aber -  es werden die Erkenntnisse über die tatsächliche Beschaffenheit unseres Daseins weltanschaulich nicht ignoriert oder verletzt. Und es werden dabei abweichende Weltanschauungen nicht übermäßig behelligt. Der große Rahmen für die Allgemeingültigkeit von Weltanschauungen jeder Art: Die Prinzipien der goldenen Regel sind einzuhalten (Hinweis auf die Leitlinien der Grundrechte, der Menschenrechte).

 Ich selbst lebe am verträglichsten mit der Vorstellung von einer höchsten Schöpfungskraft hinter unserer wahrnehmbaren Welt. Alles, was ich mit Wissen, Verstand und Vernunft bewältigen kann, bringt mich zu dieser Einstellung, zu diesem Ergebnis. Diese Vorstellung von der Existenz einer höchsten Schöpfungskraft gibt mir das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Diese von mir „vermutete“ höchste Schöpfungskraft hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit irgendeiner „etablierten“ Gottesvorstellung. Es ist bei mir der simple Gedankenverlauf: Ich bin nicht durch mich selbst entstanden, es ist ohnehin (beweisbar) nichts durch sich selbst entstanden – also kann ich dankbar dafür sein und bin dankbar dafür, dass ich – letztlich – von irgendwoher meine Existenz erhalten habe. Dieses Geborgenheitsgefühl hat keinen Raum für irgendein latentes Schuldbewusstsein. Ich habe es so z.B. nicht zu tun mit einem „überautoritären Gottvater“. Ich vermeide daher auch konsequent die „Vater-Vorstellung“ bei meinen Gedanken an eine höchste Schöpfungskraft; das Patriarchat und die Weltereignisse - beeinflusst durch den Glauben an patriarchische Gottheiten: damit ist schon zu viel Unheil in der Weltgeschichte angerichtet worden.        

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